Histaminintoleranz häufig bei HPU

Bei einer Histaminintoleranz (HIT) ist das Verhältnis von Aufnahme bzw. Bildung und Abbau von Histamin im Körper aus dem Gleichgewicht geraten. Bei der HPU kommt sowohl die Histaminose (hohe Histaminspiegel, seltener bei HPU), als auch die Histapenie (niedrige Histaminspiegel, häufig bei HPU) vor.

Da die Umwandlung von Histidin zu Histamin von P5P (aktivierte Form von Vitamin B6) abhängig ist, wird klar, warum HPU-Betroffene häufig unter einer Histamin Unverträglichkeit leiden. Gleichzeitig ist durch die oft hohen Kupferspiegel (Gegenspieler von Zink, das häufig erniedrigt ist) die Aktivität der DAO gesteigert. DAO steht für Diaminoxidase – ein kupferabhängiges Enzym im Dünndarm, das Histamin abbaut.

Auch die MaO-Enzyme sind kupferabhängig. Die Monoaminoxidasen (MaO) sind mitochondriale Enzyme, die Monoamine abbauen. Auch sie sind am Abbau von Histamin beteiligt.

Histapenie durch zu hohen Kupferspiegel

Da beide Enzyme bei hohem Kupferspiegel schneller arbeiten, wird Histamin bei unbehandelten HPU-Betroffenen sehr schnell abgebaut.
Daraus resultiert ein ständig erniedrigter Histamin-Spiegel – die Histapenie.

Hintergrund: Zink und Kupfer sind Gegenspieler. Da der unbehandelte HPUler vermehrt Zink mit dem defekten Häm ausscheidet, steigt der Kupferspiegel meist an.

Menschen mit Histapenie regieren auf histaminhaltige Lebensmittel oder Histaminliberatoren oft noch empfindlicher als Menschen mit einem dauerhaft erhöhten Histaminspiegel.

Hinweis: Im Laufe des Lebens nimmt der Histaminspiegel natürlicherweise ab. Bei jüngeren Menschen ist also ein höherer Histaminspiegel zu erwarten als bei älteren.

Diagnose der Histapenie

Wichtig ist, das Histamin nicht im Blutserum, sondern im Vollblut bestimmen zu lassen. Dabei wird die Histaminkonzentration innerhalb und außerhalb der Zelle erfasst. Diese Untersuchung bietet das Labor von Keac in Holland für etwa 82,- Euro an.

Für Histamin im Vollblut gibt das Keac-Labor folgende Referenzwerte an: 28 – 51 µg/l

Unter 28 µg/l liegt eine Histapenie vor, über 51 µg/l eine Histaminose.

Eine Aktivitätsmessung der DAO (oder MaO) hat hier keinen diagnostischen Wert, da sie, wie oben beschrieben, häufig sogar erhöht ist.

Auch ein im Vollblut gemessener, erhöhter Kupferwert kann ein Hinweis auf eine Histapenie sein.

Beschwerden bei der Histapenie

Keac nennt folgende, mögliche Beschwerden, die bei einer Histapenie auftreten können:

  • Übergewicht
  • Sonnenempfindlichkeit
  • chronische Ermüdung
  • schlechte Zahngesundheit
  • starke Behaarung
  • vermindertes Schmerzgefühl
  • Angst-/Panikanfälle
  • Zysten/ Geschwüre im Mund
  • wuchernde Wunden
  • Depressivität und Schlafprobleme

Histamin ist ein Gewebehormon, das unter anderem die Durchlässigkeit der Gefäßwände beeinflusst. Bei einer Histapenie sind die Gefäßwände zu dicht. Das erschwert den Gasautausch und den Transport von Mikronährstoffen ins Gewebe. Auch die Abfuhr von Giftstoffen und Stoffwechselabbauprodukten ist bei der Histapenie aufgrund der dichten Gefäßwände nur erschwert möglich- daher treten häufig Hautbeschwerden auf.

Je nach Ausprägung der Histapenie werden kleinere Mengen an Histamin noch gut vertragen. Beschwerden treten erst auf, wenn die indivduell verträgliche Menge durch direkte Histaminzufuhr (über histaminhaltige Nahrungsmittel) oder über Histamin-freisetzende Nahrungsmittel überschritten wurde. Die verträgliche Histamin-Menge ist nicht nur von HPU-Patient zu HPU-Patient unterschiedlich, sondern kann auch tagesabhängig schwanken. Keac schreibt: „Faktoren wie Stress, Rauchen, Alkohol und große, körperliche Anspannung können den individuell verträglichen Grenzwert senken, wodurch früher Beschwerden auftreten.“

Histmin aus dem Darm kann, wenn es dort nicht abgebaut wird, über den Blutkreislauf ins Gehirn gelangen. Dort kann Histamin beispielsweise die Rezeptoren für Dopamin besetzen. Die Aktivität der Histamin-abbauenden Enzyme im Gehirn ist momentan noch nicht in Labortests messbar.

Histaminose (erhöhte Histaminwerte) bei HPU

Erhöhte Histaminwerte (Histaminose) kommen zwar auch bei HPU-Betroffenen vor (Dr. Joachim Strienz spricht von 10 %), aber deutlich seltener als zu niedrige (Histapenie) (ca. 50 %). Eine verringerte DAO-Aktivität kann ein Hinweis auf eine Histaminose sein. Aktivitäts-Messungen der DAO, sowie die Bestimmung von Histamin im Blutserum nimmt unter anderem das IMD-Labor in Berlin vor.

Auch der Histamingehalt im Stuhl kann auf eine Störung im Histaminabbau hinweisen.

Therapie und Ernährung bei Histamin-Intoleranz

Unter der üblichen HPU-Therapie mit Zink, aktiviertem Vitamin B6 (P5P) und Mangan normalisiert sich der Histaminspiegel laut Dr. med. Joachim Strienz (Autor des Buches „Leben mit KPU“) bei den meisten HPU-Patienten innerhalb eines Jahres.

Auch Kyra Kaufmann bestätigt diesen Verlauf. „Man braucht nur etwas Geduld!“, so Buchautorin und Heilpraktikerin Kyra Kaufmann beim Online-Allergie-Kongress 2019.

Ist dies nicht der Fall, sollte eine Behandlung erfolgen.

Histaminarme Ernährung

Sowohl bei der Histaminose, als auch bei der Histapenie hat sich eine histaminarme Ernärung als sinnvoll erwiesen. Lang gelagerte oder gereifte Lebensmittel enthalten viel Histamin und sollten daher gemieden werden. Das gilt auch für wiederaufgewärmte Speisen. Bei der Schweizerschen Interessensgemeinschaft für Histaminintoleranz finden Sie detaillierte Informationen zur Ernährung und medikamentösen Therapie der Histaminintoleranz (HIT).

Diese Lebensmittel sollten bei einer Histamin-Intoleranz gemieden werden, da sie selbst größere Mengen an Histamin enthalten (Liste nicht vollständig):

  • Alkohol (vor allem Rotwein und Sekt)
  • Spinat
  • lang gereifter Käse
  • Salami
  • Schweinefleisch
  • Sauerkraut, Tomaten
  • Essig
  • geräucherter Fisch
  • Glutamat (Geschmacksverstärker in Fertigkost)
  • Sojasoße
  • Hefeextrakt

Diese Lebensmittel sind Histamin-Liberatoren (Freimacher). Sie können die körpereigenen Mast­zellen zur Aus­schüttung von Histamin stimulieren (Liste nicht vollständig):

  • Tomaten
  • Avocados
  • Weintrauben
  • Rhabarber
  • Ananas
  • Pfeffer
  • Erdbeeren
  • Meeresfrüchte
  • Schweine- und Lammfleisch
  • Kakao

Medikamentöse Therapie der Histamin Unverträglichkeit

Im Akutfall hilft ein Antihistaminikum. Es verhindert das „Andocken“ des Histamins an die spezifischen Histaminrezeptoren, indem sie diese Rezeptoren besetzen.

Das Enzym DAO (Diaminoxidase) kann bei einer leichten HIT und verminderter DAO-Aktivität in Tablettenform vor einer Mahlzeit eingenommen werden.

Diagnostiziert Keac eine Histapenie (über die Histaminbestimmung im Vollblut), erhält der Patient eine Therapieempfehlung. Keac empfiehlt bei einem sehr niedrigen Wert (< 24 µg/l) die Einnahme von Depyrrol ProHis über 4 Monate, danach eine Erhaltungsdosis von Niacinamid (=Nicotinamid) (250 mg) 2 x täglich eine Tablette. Bei einem nur geringfügig gesunkenen Histamin-Wert (bis 24 µg/l) wird nur Niacinamid empfohlen.

Als Alternative eignet sich Hista plus von Heidelberger Chlorella. Ritter und Baumeister-Jesch empfehlen chelatiertes (organisch gebundenes) Calcium und Methionin (500 mg pro Tag).

Auch Zeolith und Huminsäure (z.B. Activomin) werden zum Binden von überschüssigem Histamin eingesetzt.

Histapenie und Sonnenlicht

Ein niedriger Histaminspiegel erhöht die Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht. Die Folge können Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwäche sein, die auf einen unzureichenden UV-Schutz in der Haut zurückzuführen sind. Es wird vemutet, dass Menschen mit Histapenie einen Mangel an Histidin in der Haut aufweisen, aus dem der natürliche Hautschutz aufgebaut wird. Ohne diese können unter UV-Einstrahlung freie Radikale in den oberen Schichten der Haut entstehen, die den Körper stark in Mitleidenschaft ziehen.

„Kupfer, Lithium, Histidin und Johanniskraut sind zu meiden, da kontraproduktiv.“

Dr. Tina Maria Ritter und Dr. Liutgard Baumeister-Jesch in ihrem Ratgeber „Stoffwechselstörung HPU„.