Reizdarm und Leaky Gut

„Viele Menschen mit HPU haben Magen- und/oder Darmbeschwerden“, schreibt Dr. J. Kamsteeg in seinem Buch „HPU und dann?“. Die Aussage stützt sich auf die Auswertung von Fragebögen von etwa 5.300 Menschen mit einer bei Keac nachgewisenen HPU.

Schlechte Eiweißverdauung

Chrakteristisch sind Blähungen, Durchfall, Verstopfung und Schmerzen – der Reizdarm. Schuld daran ist möglicherweise eine gestörte Eiweißverdauung, die durch einen Mangel an Zink und Mangan hervorgerufen wird. Viele der eiweißspaltenden Enzyme im Darm (Peptidasen) sind von diesen beiden Mineralstoffen als Cofaktoren abhängig. Nur mit ihrer Hilfe können sie Eiweiße aus Fisch und Fleisch in die einzelnen Aminosäuren zerlegen.

Fruktose Intoleranz

Auch eine Unverträglichkeit von Fruktose kann zu Verdauungsbeschwerden führen. Weitere Informationen zur Fruktose-Intoleranz bei HPU finden Sie hier.

Nahrungsmittel Unverträglichkeiten

„Mehr als 80 % der HPU-Patienten weisen Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf.“

Heilpraktikerin Dr. Tina Maria Ritter und Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin, Dr. Luitgard Baumeister-Jesch, in ihrem Buch „Stoffwechselstörung HPU“ (VAK Verlags GmbH).

Als Folge davon kommt er häufig zu fehlerhaften Gärvorgängen und Verschiebungen des Darmflora-Gleichgewichts.

Gründe für Nahrungsmittel Unverträglichkeiten

Auch die Darmschleimhaut ist auf Mikronährstoffe wie beispielsweise Zink und Vitamin B6 angewiesen. Ein jahrelanger Mangel dieser Mikronährstoffe kann zu chronischen Entzündungsprozessen führen. Sie entstehen, wenn die Schleusen der Darmwand, die sogenannten Tight Junctions, ihre Arbeit nicht mehr richtig ausführen können. Man spricht hierbei von einem durchlässigen Darm (engl. Leaky Gut).

Leaky Gut und Entzündungs-Reaktionen

Ein Leaky Gut entsteht, wenn die Tight Junctions, die Schleusen des Darms, nicht mehr richtig funktionieren. Die Tight Junctions sitzen zwischen den Mukosazellen der Darmschleimhaut. Sie werden unter anderem vom Nervensystem gesteuert. Im gesunden Darm lassen die Tight Junctions selektiv nur diejenigen Stoffe durch die Darmwand ins Körperinnere passieren, die der Körper benötigt. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Nahrungsbestandteile, Wasser, Elektrolyte und Ionen.

Sind die Tight Junctions aufgrund von Mikronährstoffdefiziten, einer Dysbiose oder einer Toxinbelastung (auch Alkohol und Medikamente) nicht mehr in der Lage, sich nur im Bedarfsfall zu öffnen, können ständig ungehindert Nahrungsbestandteile, bakterielle Toxine und andere Giftstoffe durch die Darmwand ins Körperinnere gelangen. Hier spricht man von einer gesteigerten, intestinalen Permeabilität.

Dieser Einstrom überlastet die Leber und zieht Immunreaktionen nach sich. Auf die wahllos einströmenden Stoffe reagiert der Körper mit einer lokalen und systemischen, chronischen Entzündung, die wiederum die Unverträglichkeit zahlreicher Nahrungsmittel erhöhen kann.

Nachweis eines Leaky Gut

Ein Leaky Gut kann über eine Stuhlprobe diagnostiziert werden. Darin werden Zonulin und alpha-1-Antitrypsin gemessen. Sie gelten als Permeabilitätsmarker der Darmschleimhaut. Sind diese Parameter erhöht, liegt ein Leaky Gut vor. Zonulin kann auch im Blutserum bestimmt werden.

Die häufigsten Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten bei HPU

Am häufigsten reagiert das Immunsystem auf Milcheiweiß, Getreide und Ei. Durch einen Verzicht auf diese Nahrungsmittel können Betroffene ihre Beschwerden meist lindern. Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind keine echten IgE-vermittelten Allergien, bei denen die Beschwerden unmittelbar nach dem Verzehr des betreffenden Lebensmittels auftreten und in schweren Fällen einen allergischen Schock auslösen können. Nahrungsmittelunverträglichkeiten können bis zu 72 Stunden nach dem Verzehr des Lebensmittels auftreten und sich in Bauchschmerzen, Durchfall, Blähungen, aber auch in Hautreaktionen, Stimmungsschwankungen etc. äußern.

Nachweis von Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten

Gemessen werden Nahrungsmittelunverträglichkeiten über einen IgG-Test. Je nach Anzahl der getesteten Lebensmittel kann ein solcher Test zwar recht teuer sein, bringt für den HPUler aber einen großen Nutzen. Denn bis zur Normalisierung des HPU-gebeutelten Stoffwechsels und der Ausheilung eines evtl. vorhandenen Leaky Guts kann der HPUler gezielt auf unverträgliche Nahrungsmittel verzichten. Auf diese Weise wird die Allergiebereitschaft des Körpers unterbrochen, der Darm kann sich erholen und stille Entzündungsreaktionen klingen ab.