Verlust von Mikronährstoffen bei HPU

Da das fehlerhaft gefaltete Häm für den Körper toxisch ist, muss er es entsorgen. Das gelingt, indem er Vitamin B6, Zink und Mangan an das defekte Häm bindet und den gesamten Komplex über die Niere ausscheidet (dieser Komplex wird bei der Diagnose von HPU gemessen).

Damit ist das Problem des toxischen Häms zwar erst einmal gelöst, dem Körper gehen aber wichtige Mikronährstoffe verloren, die an anderer Stelle dringend gebraucht werden. Je nachdem, wo sich der Mikronährstoffmangel im Körper bemerkbar macht, können vielfältige Symptome entstehen.

Mikronährstoffe – auf das richtige Verhältnis kommt es an

Zu den Mikronährstoffen zählen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelmente, Aminosäuren und Fettsäuren. Nur wenn alle Stoffe in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander zur Verfügung stehen, kann der Stoffwechsel richtig funktionieren.

Defizite bei den Mineralstoffen können über eine Mineralstoff-Analyse im Vollblut schnell erkannt und durch Nahrungsergänzungsmittel gezielt ausgegelichen werden.

Regelmäßige Blut- oder Urinkontrollen schaffen Klarheit

Im Verlauf der Mikronährstofftherapie gibt eine mindestens 2 mal pro Jahr durchgeführte Mikronährstoffanalyse im Blut und/oder Urin Aufschluss über bestehende Mikronährstoff-Mängel. Da sich manche Mikronährstoffe in zu hohen Dosierungen negativ auf das Stoffwechselgeschehen auswirken können, sollte auf eine regelmäßige Kontrolle nicht verzichtet werden.

Die von den Laboren angegebenen Referenzbereiche der Mikronährstoffe sind oft groß. Meist fühlt sich der HPUler im oberen Referenzbereich (also bei gut aufgefüllten Mikronährstoffspeichern) wohler als bei niedrigen Werten.

ACHTUNG:

Die Mikronährstoff-Analyse sollte im Vollblut (EDTA- oder Heparin-Blut, nicht im Serum) erfolgen.

Eine Vollblutanalyse ist aussagekräftiger als eine Serumanalyse, da bestimmte Metalle, wie z.B. Zink und Magnesium, hauptsächlich intrazellulär vorliegen. Andere hingegen, wie z.B. Kupfer, sind im Extrazellularraum angereichert. Die Vollblutanalyse ist ein Maß für den Speicherstatus der Zelle. Man geht davon aus, dass sich eine nicht ausreichende Sättigung einer Blutzelle mit beispielsweise Zink auch in den Zellen der Organe widerspiegelt.

Die Mineralstoffanalyse im EDTA-Vollblut erfasst sowohl die intrazellulär, als auch die extrazellulär angereicherten Metalle und spiegelt damit die Versorgungslage des Körpers mit Mineralstoffen detailliert wieder.

Neben einem kleinen Blutbild (Leistung der gesetzlichen Krankenkassen) bieten sich folgende Werte zur Messung an:

  • Cholesterin
  • Homocystein im Plasma (oft erhöhte bei HPUlern mit einer Methylierungsstörung bzw. einer Mutation im MTHFR-Gen)
  • Natrium im Vollblut
  • Phosphat im Vollblut
  • Kalium im Vollblut
  • Calcium im Vollblut
  • Mangan im Vollblut
  • Magnesium im Vollblut
  • Kupfer im Vollblut
  • Eisen im Vollblut
  • Zink im Vollblut
  • Selen im Vollblut
  • 25 (OH) Vitamin D
  • Coenzym Q10 im EDTA Blut

Das Institut für medizinische Diagnostik (IMD) in Berlin bietet verschiedene Mineralstoffprofile zwischen rund 62 Euro und 82 Euro an.

Informieren Sie sich hier, wie der Mineralstoffspiegel und Vitamin B6 aussagekräftig gemessen und interpretiert werden:

Quelle: inflammatio – Labor, Diagnostik und Fortbildungen für Ärzte vom IMD Berlin

B-Vitamine lassen sich gut über den Urin bestimmen. Das Stoffwechselprodukt Cystathionin gibt Auskunft über den Vitamin B6-Wert, mit Hilfe der Methylmalonsäure kann man Rückschlüsse auf Vitamin B12 ziehen.

Mikronährstoff-Therapie in der Praxis

Das Forschungsinstitut KEAC empfiehlt folgende Dosierungen (pro Tag) an Nahrungsergänzungsmitteln:

MikronährstoffMenge
Zink30 mg
Mangan5 mg
Aktiviertes Vitamin B6 (P5P)50 mg

Die Zufuhr von Zink, Mangan und P5P füllt nicht nur bestehende Mängel dieser Vitalstoffe wieder auf, sondern verbessert auch die Häm-Synthese. Der Grund dafür: Einige Enzyme des Häm-Syntheseweges brauchen P5P als Cofaktor, um funktionieren zu können.

Mikronährstoffe können oral oder auch intravenös als HPU-Infusionen zugeführt werden.

ACHTUNG: Kinder unter 4 Jahren sollten kein Mangan einnehmen, da sich Mangan möglicherweise negativ auf die kindliche Hirnentwicklung auswirken könnte.

Achtung bei Patienten mit Psychosen, Angstzuständen oder Depressionen

HPUler, die an Psychosen, Angstzuständen oder Depressionen leiden (aktuell oder in der Vergangenheit), sollten sehr behutsam mit der Therapie beginnen und die Dosierungen der Nahrungsergänzungsmittel langsam steigern, da ansonsten Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erschöpfung auftreten können.

Ein Grund dafür ist, dass sich der Körper des HPUlers durch die zahlreichen, teilweise als lebensbedrohlich empfundenen Symptome wie Unterzuckerung, Kreislaufprobleme und allergische Reaktionen in ständiger Alarmbereitschaft befindet. Ein mehr an Energie durch die Mikronährstofftherapie sowie hormonelle Veränderungen können die erhöhte Alarmbereitschaft leicht in Angst überführen. Es handelt sich dabei jedoch nur um ein vorübergehendes Phänomen, das sich durch den folgenden Therapiebeginn meist verhindern lässt:

Es hat sich bewährt, die Therapie zunächst mit 500 mg Taurin (zum Frühstück) zu beginnen und nach etwa 10 Tagen durch 15 mg Zink zu ergänzen. Da Zink im nüchternen Magen zu Übelkeit führen kann, sollte es am besten zu einer warmen Mahlzeit eingenommen werden. Nach etwa 4 Wochen bis 3 Monaten (je nach Befinden) können Mangan und P5P in niedrigen Dosierungen eingeführt und bei guter Verträglichkeit in der Menge gesteigert werden.

Auch bei Patienten mit stark ausgeprägter Reizdarm-Symptomatik hat sich dieser Therapiestart bewährt.

„Durch die Gabe von Taurin werden kleine Mengen Vitamin-B6 frei für andere Stoffwechselabläufe, so dass der Körper nicht „seine Schleusen“ öffnet, sondern die Umstellung langsam angeht.“

Dr. Tina Maria Ritter, Dipl. Biologin und Heilpraktikerin

(Anfängliche) Nebenwirkungen und ihre Gründe

Grundsätzlich hat es sich bewährt, alle Mikronährstoffe langsam in ihrer Dosierung zu steigern – also einzuschleichen. Anfängliche Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen deuten auf eine zu hohe Anfangsdosierung hin.

Dr. Kamsteeg erklärt das Phänomen in seinem Buch „HPU und dann“ mit der Neueinstellung des Hormonkreislaufs. Der zu Beginn der HPU-Behandlung meist sehr niedrige TSH-Wert steigt mit der Einnahme der HPU-Nahrungsergänzungsmittel. Gleichzeitig ist auch eine Zunahme des Serumgastrins zu beobachten. Die dadurch erhöhte Produktion von Magensäure kann zu Übelkeit und Erbrechen führen.

Gegenmaßnahmen: HPU-Nahurngsergänzungsmittel nicht nüchtern einnehmen. Dosis über einen Zeitraum von etwa 3 Wochen langsam steigern.

Unverträglichkeit von P5P (aktive Form von Vitamin B6)

HPUler haben oft eine Störung der Entgiftungsphase I. Wird diese Phase der Entgiftung durch die Supplementation von Vitamin B6 und Zink wieder in größerem Umfang ermöglicht, entstehen mehr Zwischenprodukte, die in der Entgiftungsphase II weiter verstoffwechselt werden müssen. Ist die Entgiftungsphase II jedoch auch beeinträchtigt (z.B. die Funktion der Glutathion-S-Transferase) können die Zwischenprodukte der Entgiftungsphase I nicht weiter verarbeitet werden. In der Folge kommt es zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erschöpfung oder Verstärkung der HPU-Symptome unter Einnahme von P5P. In diesem Fall sollte zunächst die Entgiftungsphase II verbessert werden.

Ergänzende Mikronährstoffe bei HPU

B-Vitamine

Da durch die alleinige Einnahme von P5P ein Mangel an anderen B-Vitaminen entstehen kann, ist es ratsam, die HPU-Mikronähstofftherapie durch einen aktivierten Vitamin B-Komplex zu ergänzen.

Kupfer

HPUler haben oft einen höheren Kupferanteil im Verhältnis zu Zink. Daher kann vor allem Zu Beginn der HPU-Therapie ein Kupfer-freies Multi-Mineralien-Präparat sinnvoll sein. Kupfer gilt als Gegenspieler von Zink und kann zum Beginn der HPU-Therapie dem Auffüllen der oftmals leeren Zinkreserven entgegenstehen.

Die Bestimmung des Kupferspiegels ist nicht einfach, da es im Körper in gebundener und freier Form vorliegt. Freies Kupfer kann entzündliche Prozesse im Körper begünstigen, die wiederum den oxidativen Stress im Körper erhöhen. Freies Kupfer sollte daher nicht im Übermaß vorliegen.

Der Kupferwert im Vollblut sagt nichts über das Verhältnis von freiem zu gebundenem Kupfer aus. Dazu müssen die Konzentration des Kupfer bindenden Proteins im Blut Ceruloplasmin bestimmt werden und die Konzentration von Kupfer im Blutserum (Kupfer liegt zu etwa 60 % im Serum vor, zu etwa 40 % in der Zelle). Über diese beiden Werte kann das Labor das Verhältnis von freiem zu gebundenen Kupfer berechnen.

Sollte die Supplementation von Kupfer nötig sein, ist eine zeitversetzte Einnahme von Kupfer im Verhältnis 1:10 zu Zink sinnvoll. (z.B. 2 mg Kupfer, bei 20 mg Zinkeinnahme)

Q10

Q10 (als Ubiquinol) verschafft vielen HPU-Patienten rasch mehr Energie. Coenzym Q10 wird von zahlreichen Enzymen als Cofaktor benötigt und spielt auch in der Atmungskette der Mitochodrien, den Energielieferanten des Körpers, eine zentrale Rolle.

Vitamin D

Patienten mit HPU haben aufgrund der Mitochondrienstörung Schwierigkeiten, Vitamin D in der Leber zu speichern. Der Grund dafür ist eine unreichende Versorgung der Cytochrom-P- 450-Monoxygenasen. Das sind die Enzyme, die in der Leber Vitamin D speichern.

Auch freies Kupfer kann sich mit Vitamin D3 zu Komplexen zusammenlagern und so den Vitamin D-Spiegel absenken.

Vitamin B6

Vitamin B6 ist wasserlöslich und wird von bestimmten Enzymen zwingend als Co-Enzym gebraucht. Ist es nicht vorhanden, können diese Enzyme nicht arbeiten. Vor allem Enzyme, die für die Herstellung und den Stoffwechsel von Aminosäuren und Proteinen gebraucht werden, benötigen Vitamin B6.

Vitamin B6-reiche Nahrungsmittel

Die Aktivierung von Vitamin B6

Damit Vitamin B6 seine Arbeit als Cofaktor von Enzymen aufnehmen kann, muss es in aktivierter Form vorliegen. Das geschieht durch das Anheften einer Phosphatgruppe an jede der drei inaktiven Formen von Vitamin B6: Pyridoxal (PL), Pyridoxin (PN) und Pyridoxamin (PM). Für den Aktivierungsprozess benötigt der Körper Vitamin B2, Magnesium und Zink.

Da viele HPU-Patienten einen Zink-Mangel aufweisen, kann die Aktivierung von Vitamin B6 oft nicht in ausreichendem Maß stattfinden. Auch bei einer Lebererkrankung kann der Umwandlungsvorgang gestört sein, da er hauptsächlich in der Leber stattfindet.

Bei der Behandlung von HPU hat es sich daher bewährt, den Mangel an Vitamin B6 durch die wichtigste Form des aktivierten Vitamins auszugleichen: mit P5P (Pyridoxal-5-Phosphat).

„Zumindest in stressigen Zeiten hat sich eine Dosierung von 50 mg P5P beim erwachsenen HPUler in der Praxis bewährt.“

Dr. Tina Maria Ritter, Stoffwechselstörung HPU, 4. Auflage 2016, VAK Verlags GmbH

Zu den häufigsten Beschwerden bei Vitamin-B6-Mangel gehören:

  • Müdigkeit, Erschöpfung
  • Verdauungsprobleme
  • Erhöhtes Homocystein
  • Depressive Verstimmungen
  • Dermatitis
  • Haarausfall
  • Infektanfälligkeit
  • Mangelnde Konzentration
  • Kopfschmerzen
  • Verringerte Muskelmasse (Muskelatrophie)
  • Erkrankungen des peripheren Nervensystems (Neuropathien)

Zum Entgiften benötigt der Körper vor allem die Aminosäuren Glutamin und Cystein. Ohne ausreichende Mengen an P5P können diese Aminosäuren auch nicht mehr im benötigten Maße vorhanden sein. Da sie Ausgangsstoffe des Gluthation-Entgiftungssystems sind, kann ohne P5P auch die Entgiftung nicht mehr richtig funktionieren.

Zink

Zink ist ein wahrer Tausendsassa im menschlichen Körper. Das Spurenelement ist an mehr als 300 enzymatischen Reaktionen als Cofaktor beteiligt. Ohne Zink können zahlreiche enzymatische Reaktionen im menschlichen Körper nicht stattfinden. Doch im HPU-Stoffwechsel geht Zink häufig in größeren Mengen verloren.

Zinkreiche Nahrungsmittel

HPU-Patienten verlieren durch das Anheften von Zink an das fehlerhaft gefaltete, toxische Häm dauerhaft so viel dieses wichtigen Elements, dass ein Ausgleich über die Nahrung allein nicht ausreicht.

Wer den Körper mit besonders Zink-haltigen Lebensmitteln unterstützen möchte, kann zu Austern (Achtung, oft mit Schwermetallen belastet), Fleisch, Milchprodukten, Hülsenfrüchten, Haferflocken, Weizenvollkorn und Cashews greifen.

„Ich habe die Erfahrung bei meinen Patienten gemacht, dass Zink oft besser über eine zinkreiche Ernährung als über Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen wird. Dazu eignen sich besonders Fleisch und Meeresfrüchte.“

Kyra Kaufmann, Online-Allergie-Kongress 2019

Fleisch und Fisch sollten aus biologischer Zucht bzw. aus Wildfang stammen.

Zink spielt eine wichtige Rolle bei:

  • der Entgiftung
  • Haaren, Haut und Nägeln
  • der Produktion von Hormonen
  • Schutz vor freien Radikalen
  • Wachstum und Entwicklung von Kindern
  • Stoffwechsel des Zuckers, Speicherung von Insulin
  • Sinneswahrnehmungen
  • der Synthese von Neurotransmittern

Zink kann, wie andere Metalle auch, oft nicht gut über den Darm aufgenommen werden. Einen Zinkmangel auszugleichen erfordert daher oft viel Geduld.

„Erwachsene nehmen gewöhnlich 30 mg Zink pro Tag ein, um den Verlust an Zink durch die HPU auszugleichen.“

Dr. Tina Maria Ritter, Stoffwechselstörung HPU

Ein eklatanter Zinkmangel kann auch durch eine Zinkinfusion behoben werden. Diese darf aufgrund gesetzlicher Bestimmungen nur von einem Arzt, nicht von einem Heilpraktiker verabreicht werden.

Mangan

Wie Zink wird auch Mangan für die Ausscheidung des defeketen Häms genutzt und geht dem HPU-Patienten dadurch verloren. Mangan benötigt der Körper in geringeren Mengen als Zink. Es fungiert als Cofaktor einiger wichtiger Enzyme. Mangan ist:

  • am Aufbau von Aminosäuren
  • am Abbau von Histamin
  • an der Herstellung von Cholesterin, Schilddrüsen- und Sexualhormonen, Melanin
  • am Aufbau von Kollagen
  • an der Blutgerinnung
  • am Stoffwechsel der Kohlenhydrate und Fette

und vielen weiteren Reaktionen beteiligt.

Im Gegensatz zu Zink ersetzt der Körper Mangan, sofern es nicht zur Verfügung steht, bei manchen enzymatischen Reaktionen durch andere Elemente – meistens durch Magnesium.

Achtung: Kinder unter 4 Jahren sollten kein Mangan als Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Mangan könnte die kindliche Hirnentwicklung stören.

Mangan konkurriert mit Eisen um die gleichen Transportproteine. Das hat zur Folge, dass bei einem Eisenmangel die Bindung von Mangan an Transferrin erhöht ist, während sie bei einem Eisenüberschuss erniedrigt ist.