Der Körper entgiftet ständig

Externe Toxine und Stoffwechselprodukte des Körpers können eine schädigende Wirkung auf Enzyme oder DNA haben, wenn sie nicht abgebaut werden. Entgiften muss der Körper daher nicht nur, wenn er Kontakt zu Toxinen hatte. Die Entgfitung ist ein natürlicher Prozess, der ständig abläuft.

Enzyme und Mikronährstoffe – Motoren der Entgiftung

Für die Entgiftung benötigt der Körper Enzyme und jede Menge Mikronährstoffe. Die wichtigsten Entgiftungsorgane (Haut, Lunge, Leber, Niere und Darm) besitzen daher zahlreiche Entgiftungsenzyme. Eine vollständige Entgiftung des Menschen ist nicht möglich, da ständig Stoffwechselprodukte anfallen, die der Körper entsorgen muss. Der Bedarf an Mikronährstoffen für die Entgiftung steigt jedoch mit der „Giftmenge“ im Körper an. Kommen zu internen Stoffwechselprodukten noch externe Toxine (z.B. durch Amalgamfüllungen, verschmutzte Luft oder Chemikalien im Essen oder Kosmetika) hinzu, kann das zu einem Mangel von B-Vitaminen, Zink, Selen und Glycin führen, weil diese Stoffe dann in größeren Mengen vom Entgiftungssystem verbraucht werden.

Entgiften bei HPU

Die Entgiftung ist eine der zentralen Säulen der HPU-Therapie. Das hat einen ganz einfachen Grund: HPU-Patienten sind schlechte Entgifter. Mit der Zeit häufen sie Schwermetalle und andere zu entgiftende Substanzen in ihrem Körper an, die wiederum andere Stoffwechselmechanismen beeinflussen.

Mikronährstoff-Defizite bremsen die Entgiftungsmaschinerie

Dem HPU-Patienten fehlen vor allem Vitamin B6, Zink und Mangan. Das hat folgende Auswirkungen auf das körpereigene Entgiftungssystem:

Vitamin B6-Mangel:

  • stört die Synthese der schwefelhaltigen Aminosäuren, die zur Entgiftung benötigt werden, denn jede Aminosäure wird von speziellen Transaminasen hergestellt, die P5P (das aktivierte Vitamin B6) zwingend als Cofaktor benötigen.
  • Aminosäuren werden zu Ammoniak abgebaut, das zügig weiter abgebaut werden muss. Auch dazu benötigen die beteiligten Enzyme P5P als Cofaktor. Ohne P5P verbleibt das toxische Ammoniak im Körper.
  • Die Aminosäure Glutamin wird zur Purin- und Glutathion-Synthese benötigt. Beide Synthese-Schritte sind abhängig von P5P.
  • Das Entgiftungsenzym Cytochrom P450 (CYP 450) besitzt eine Häm-Gruppe. Dadurch ist auch diese Synthese bei P5P-Mangel gehemmt.

Zink-Mangel:

  • blockiert direkt die Entgiftung von Schwermetallen
  • reduziert die Umwandlung von Vitamin B6 in P5P

Mangan-Mangel:

  • Mangan ist Co-Faktor wichtiger Entgiftungsenzyme, z.B. der mitochondrialen Superoxid-Dismutase (SOD)

Häm-Mangel bremst Entgiftungsphase I

HPU führt zu einem Mangel an Häm. Häm wiederum ist ein wichtiger Bestandteil der Cytochrom-P450-Enzyme – einer wichtigen Gruppe der Phase-I- Entgiftungsenzyme. Durch den Mangel an Cytochrom-P450 kann die Phase I der Entgiftung ausgebremst werden.

Auch andere Entgiftungsenzyme sind auf Häm angewiesen. Dazu gehören:

  • Katalasen,
  • Pyrrolasen,
  • die Stickstoff-Monoxid-Synthase (NOS),
  • die Sulfitreduktase und weitere.

Laufen die Entgiftungsreaktionen nicht in ausreichendem Maße ab, erhöht sich der oxidative Stress im Körper, da freie Radikale nicht abgebaut werden und fortwährend die Zellen schädigen.

Dr. med. Patrick Assheuer erklärt, wie eine Entgiftung bei HPU aussehen kann und wo Probleme auftreten können:

Teufelskreis Schwermetallbelastung

Durch seine schlechte Entgiftungskapazität häuft der HPU-Patient Schwermetalle und andere giftige Substanzen im Körper an. Von Quecksilber, Blei, Cadmium und Aluminium ist bereits eine Porpyrrie-begünstigende Wirkung bekannt. Auch der bei HPU gebildete HPL-Komplex ist ein Pyrrol, dessen Entstehung durch diese Stoffe begünstigt wird.

Cadmium, Kobalt, Kupfer, Blei, Quecksilber und Nickel hemmen die Aufnahme von Zink. Ein Zinkmangel (siehe oben) wirkt sich wiederum negativ auf die Entgiftungsmaschinerie aus. Gleiches gilt für den HPU-bedingten Mangel an Gluthation. Auch hiervon ist das Entgiftungssystem erheblich beeinträchtigt.

Bin ich mit Schwermetallen belastet?

Schwermetallbelastungen können der Grund für nicht zufriedenstellende Therapieergebnisse, sog. Therapieblockaden sein. Daher ist es wichtig zu prüfen, ob eine übermäßige Belastung mit Schwermetallen bzw. toxischen Metallen (Aluminium gehört rein chemisch betrachtet zu den Leichtmetallen) vorliegt.

Die Blut- und Haaranalyse

Eine Schwermetallbelastung lässt sich nur dann über eine Blutanalyse nachweisen, wenn die Schwermetalle gerade erst aufgenommen wurden. Länger zurückliegende Expositionen lassen sich auf diese Weise aber nicht aufspüren. Das liegt daran, dass sich toxische Metalle im Fettgewebe einlagern.

Auch in den Haaren sind Schwermetalle nur dann nachweisbar, wenn die Aufnahme oder die Freisetzung dieser Stoffe kürzlich erst erfolgte.

Der Schwermetall-Provokationstest (Chelat-Test)

Der Nachweis einer chronischen Schwermetallvergiftung ist nur mit einem Provokationstest möglich. Dabei werden 2 Urinproben des Patienten miteinander verglichen. Zunächst sammelt der Patient den ersten Morgenurin.

Hinweis: Der pH-Wert des Morgenurins ist wichtig! Er sollte unbedingt im basischen Bereich liegen (< pH 7), da sich Schwermetalle im sauren Millieu in der Niere ablagern, anstatt über die Niere ausgeschieden zu werden. Ist der Morgenurin im saueren pH-Bereich, wird vor der Chelatierung eine basische Infusion verabreicht.

Dann erhält der Patient Infusionen oder Kapseln mit Metall bindenden Substanzen (Chelatbildner). Meist kommen hier DMSA (Dimercaptobernsteinsäure), DMPS (Dimercaptopropansulfonsäure) und EDTA (Ethylendiaminteraessigsäure) zum Einsatz.

Diese Chelatbildner binden die Metalle und werden anschließend über die Niere wieder ausgeschieden. Nach 1-2 Stunden gibt der Patient die zweite Urinprobe ab. Beide Urinproben werden in einem Labor ausgewertet und miteinander verglichen. Dabei werden zwischen 30 und 35 Schwermetalle analysiert.

Die Metalle, die nach der Chelatierung im Urin im Vergleich zum Normalurin vorkommen, oder viel stärker ausgeschieden werden als vorher, stellen für den Patienten meist eine Belastung dar.

Anhand der Art der ausgeschiedenen toxischen Stoffe und der Menge erstellt der Therapeut einen Ausleitungsplan zur Entgiftung des Körpers aus Basis der Chelattherapie. Der Schwermetall-Provokationstest bietet dabei die Grundlage, die Ausleitungsergebnisse sowohl im Verlauf als auch am Ende der Therapie kontrollieren zu können.

Dr. med. Dipl.-Med. Thomas B. Fischer, Präsident der Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie, dazu:

„Diese Diagnostikmethode ist im Konsens der internationalen (IBCMT) und deutschen (KMT) ärztlichen Fachgesellschaften entwickelt worden. Sie ist kein so genanntes „alternatives Behandlungsverfahren“ und keine „besondere Therapierichtung“, sondern die weltweit einzige wissenschaftlich anerkannte praxistaugliche Diagnostikmethode zum Nachweis chronischer Schwermetallbelastungen.“

Weitere Entgiftungsmaßnahmen bei HPU

Die Einnahme der „typischen“ HPU-Nahrungsergänzungsmittel (Zink, Mangan, aktiviertes Vitamin B6 (P5P) und Magnesium hilft nicht nur beträchlich dabei, die Entgiftungsmaschinerie des Körpers zu unterstützen, sie ist auch die Voraussetzung für weitere Entgiftungsmaßnahmen.

Je nach Schwere der toxischen Belastung können zusätzliche Entgiftungsmaßnahmen hilfreich sein.

Süßwasseralge Chlorella

Die Süßwasseralge Chlorella kommt in der Entgiftungstherapie zum Binden von Schwermetallen (z. B. Quecksilber aus Amalagam) zum Einsatz. Neben pflanzlichen Wirkstoffen enthält sie eine Reihe von Mikronährstoffen, die den entgiftungsschwachen HPU-Stoffwechsel unterstützen. Da Chlorella selbst mit Schwermetallen belastet sein kann, sollte man beim Kauf unbedingt auf das Analysezertifikat des Herstellers achten.

Achtung: Nicht alle HPUler vertragen eine Entgiftungstherapie mit Chlorella. Mit der hochdosierten Einnahme von ca. 20 g pro Tag nimmt der Körper eine sehr große Menge an Chlorophyll auf, die zu Komplikationen wie beispielsweise einem starken körperlichen und/oder geistigen Leistungseinbruch führen kann.

Entgiftungssysteme überlastet

Chlorophyll und Häm ähneln sich in ihrem Aufbau und werden möglicherweise über dieselben Stoffwechselwege abgebaut. Hat der Körper nun viel fehlgefaltetes Häm gebildet und nimmt zusätzlich noch unnatürlich viel Chlorophyll auf, könnte dieser Abbauweg überlastet sein und zu Nebenwirkungen der Chlorella-Therapie führen.

Beim HPUler ist oft die Entgiftungsphase I gestört. Eine weitere mögliche Überlastung der Entgiftungsleistung könnte entstehen, wenn Chlorella Gifte wie Blei und Quecksilber rasch mobilisiert und diese Stoffe gleichzeitig mit dem fehlgraflteten Häm ausgeschieden werden müssen.

„Ob der Häm-Metabolismus bereits grenzwertig belastet ist und damit ein therapeutischer Einsatz von Chlorophyll indiziert oder kontraindiziert ist, lässt sich an den Pyrrolwerten im Urin (Hämopyrrollaktam) ablesen.“

Gerald Würkner, umwelt medizin gesellschaft 2014; 27(4): 277-285

Zu viel Kupfer

Chlorella enthält neben anderen Mikronährstoffen auch Kupfer, was den Stoffwechsel des HPUler gerade zu Beginn der Therapie zusätzlich belasten kann (Kupfer ist ein Gegenspieler von Zink, das beim HPUler oft im Mangel ist).

Genmutationen

Bestimmte Genmutationen wie CBS und SUOX könnten die Verwertbarkeit von Schwefel (wie in Chlorella) verringern und dafür Sorgen, dass die Einnahme von Chlorella mit Nebenwirkungen verbunden ist. Aufschluss darüber gibt ein Gentest.

Ausleitende HPU-Infusionen

Neben Vitamin B6, Zink und Mangan spielen auch andere Mikronährtsoffe eine wichtige Rolle in der Entgiftung. Regelmäßige Blutkontrollen (etwa 2 bis 4 pro Jahr) geben Aufschluss über Mangelzustände, die im Anschluss durch oral zugeführte Mikronährstoffe oder auch durch Infusionen ausgeglichen werden sollten.

Entgiftung durch Chelattherapie

Ausleitungstherapien mit Chelatbildnern sind eine effektive Methode, um toxische Metalle loszuwerden. Chelatbildner sind Substanzen, die Metalle besonders gut und zahlreich binden können. Die am häufigsten eingesetzten Chelatbildner sind EDTA, DMPS und DMSA.

EDTA bindet bevorzugt sauerstoffaffine Metalle wie Blei und Aluminium, aber auch Eisen. DMPS und DMAS binden bevorzugt schwefelaffine Metalle wie Quecksilber und Arsen.

Eine Chelattherapie gehört in therapeutsiche Hände, da es bei unsachgemäßem Einsatz der Chelatbildner zu Rückvergiftungen bis hin zur Niereninsuffizienz kommen kann. Außerdem sollte vor Therapiebeginn ein umfangreiches Blutbild mit Nieren- und Leberwerten, dem Minerastoffzustand im Vollblut und Vitaminen erstellt werden. Auch Eiweißmangelzustände, Blutsenkung, CRP, Schildrüsenwerte und HCY geben Aufschluss über den Zustand des Patienten, seinen Mangelerscheinungen und Erkrankungen.

Während der Therapie sollte in regelmäßigen Abständen der Mikronährstoffstatus des Patienten überpüft werden, da bei einer Chelattherapie auch immer nützliche Mikronährstoffe an die Chelatbildner binden und somit verloren gehen. Vor und während der Ausleitungstherapie sollte der Mineralstoffstatus kontrolliert werden. Bei Mangelzuständen sollten diese zunächst behoben werden, bevor die Chelattherapie fortgesetzt wird.

Chelattherapie – nicht bei diesen Vorerkrankungen!

Eine Ausleitungstherapie mit Chelatbildnern ist nicht für jeden Patienten das geeignete Mittel der Wahl, um den Körper von toxischen Stoffen zu befreien. Unter folgenden Umständen sollte aufrgund der zu erwartenden Nebenwirkungen von einer Chelattherapie abgesehen werden:

  • Anämie, Leukopenie
  • akute Infekte oder Entzündungen
  • Schwangerschaft
  • Eisenmangel
  • Mineralstoffmangel
  • akute Pankreatitis
  • akute Hepatitis
  • Kachexie (hoher Gewichtsverlust)
  • Eiweißmangel
  • MS, ALS (hier kann EDTA Schübe auslösen)
  • Herzinsuffizienz
  • starke Herzrhythmusstörungen
  • schwere Nierenfunktionsstörung (Creatinin > 2,0, Cystatin C > 1,5)
  • Leberfunktionsstörungen
  • Lungen Tuberkulose
  • ausgeprägtes Aneurysma

Zur Werkzeugleiste springen