Viele typische HPU-Symptome auch Zeichen von Untermethylierung

 

Probleme mit dem Histaminabbau, Ängste, Panikattacken, depressive Verstimmungen, Muskel- und Gelenkschmerzen: All das sind häufige Symptome von HPU-Betroffenen. Schuld daran ist oft nicht nur die Stoffwechselbesonderheit HPU, sondern auch eine mangelhafte Methylierung.

 

Was ist Methylierung?

Mit diesem Begriff kann nicht jeder etwas anfangen. Daher eine kurze Erklärung. Wenn du bereits mit dem Begriff vertraut bist, kannst du im nächsten Absatz weiterlesen.

Die Methylierung ist ein denkbar einfacher Prozess – mit großen Auswirkungen! Bei der Methylierung wird eine Methylgruppe an ein Molekül angehängt. Eine Methylgruppe ist ein Kohlenstoffatom (C), an dem 3 Wasserstoffatome (H3) hängen, also – CH3.

Dieses unscheinbare, kleine Ding wird also an andere Moleküle angehängt, um im Stoffwechsel wichtige Prozesse zu steuern, z.B.:

        • welche Gene gerade aktiv oder inaktiv sind (und damit kann man unzählige andere Körperfunktionen beeinflussen!)
        • ob Histamin im Stoffwechsel (nicht im Darm) abgebaut wird
        • wie viel von den Nervenbotenstoffen Serotonin, Melatonin, Dopamin und Noradrenalin hergestellt wird.

Damit die Markierung mit Methylgruppen reibungslos funktioniert, müssen in erster Linie genügend Methylgruppen zur Verfügung stehen.

 

Woher kommt die Methylgruppe?

 

Der wichtigste Methylgruppen-Lieferant in unserem Stoffwechsel ist die aktive Form der Aminosäure Methionin (= S-Adenosyl-Methionin = SAM oder SAMe). Andere Methylgruppenspender sind die aktive Folsäure und Methylcobalamin (eine Form von Vitamin B12) und aktive Folsäure. Sie alle sind wichtige Bestandteile des sog. Methylierungszyklusses.

Der Methylierungszyklus findet in nahezu jeder unserer Körperzellen in jeder Sekunde zigfach statt – sofern genügend SAM zur Verfügung steht. Ist das nicht der Fall, kommt es zur sogenannten Untermethylierung, die ich bei HPUlern häufig beobachte.

 

Typische Symptome einer Untermethylierung sind:

 

          • Histaminabbaustörung, zu viel Histamin im Stoffwechsel
          • Neigung zum Perfektionismus
          • ausgeprägte Libido
          • eher ruhiges Gemüt, aber häufige innerliche Anspannung
          • introvertiert
          • ehrgeizig
          • starke Bildung von Körperflüssigkeiten (Speichel, Talg, Tränen…)
          • Neigung zu depressiven Verstimmungen
          • Konzentrationsprobleme
          • Müdigkeit
          • geschwächtes Immunsystem
          • Muskel- und Gelenkschmerzen

(es müssen nicht alle Symptome gleichzeitig auftreten).

 

SAM wird aus Methionin hergestellt

 

SAM (S-Adenosylmethionin) ist eine Substanz, die im Körper aus der Aminosäure Methionin auf natürliche Weise produziert wird und in verschiedenen Geweben vorkommt. Eine vegane oder vegetarische Ernährung kann zu einem Methioninmangel führen, da Methionin hauptsächlich in tierischen Produkten wie Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten vorkommt. Pflanzliche Quellen von Methionin, wie Bohnen, Nüsse und Getreide, enthalten Methionin nur in geringeren Mengen und reichen daher meist nicht aus, um den täglichen Bedarf des Körpers zu decken.

 

Warum HPUler oft untermethyliert sind

 

Da HPUler Fleisch aufgrund des Magensäuremangels Fleisch nur schwer verdauen können, Fisch aufgrund der Schwermetallbelastung meiden sollten und Eier und Milchprodukte manchmal auch nicht gut vertragen, sind sie besonders anfällig für einen Methylgruppenmangel bzw. eine Untermetyhlierung.

In diesem Fall kann SAM als Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden. Die Studienlage zur Wirkung von SAM sieht folgendermaßen aus:

    1. Unterstützung der psychischen Gesundheit: SAM kann dazu beitragen, die Stimmung zu verbessern und depressive Symptome zu lindern. Eine Metaanalyse von 16 randomisierten kontrollierten Studien ergab, dass SAM bei der Behandlung von Depressionen wirksam ist und dass es insgesamt sicher ist, ohne schwerwiegende Nebenwirkungen zu verursachen (1).
    2. Unterstützung der Gelenkgesundheit: SAM kann helfen, die Gelenkgesundheit zu verbessern und Symptome von Arthrose zu lindern. Eine systematische Überprüfung von 22 randomisierten kontrollierten Studien ergab, dass SAM bei der Verbesserung von Schmerzen und Funktion bei Patienten mit Kniearthrose wirksam war (2).
    3. Unterstützung der Lebergesundheit: SAM kann dazu beitragen, die Lebergesundheit zu verbessern und die Symptome von Lebererkrankungen wie Leberzirrhose zu lindern. Eine Überprüfung von 16 randomisierten kontrollierten Studien ergab, dass SAM bei Patienten mit Lebererkrankungen eine signifikante Verbesserung der Leberfunktion bewirken kann (3).
    4. Unterstützung der kognitiven Gesundheit: SAM kann dazu beitragen, die kognitive Funktion zu verbessern und das Gedächtnis zu stärken. Eine systematische Überprüfung von 9 randomisierten kontrollierten Studien ergab, dass SAM bei der Verbesserung der kognitiven Funktion bei älteren Erwachsenen wirksam war (4).

Sinnvolle Dosierung von SAM

 

Studien zeigen, dass SAM bei verschiedenen Gesundheitszuständen wirksam sein kann, wenn es in geeigneten Dosierungen eingesetzt wird. Die typischen Dosierungen reichen von 200 mg bis zu 1600 mg pro Tag.

Für die Behandlung von Depressionen und Angstzuständen wurden in klinischen Studien Dosierungen von 800 bis 1600 mg pro Tag verwendet. In einigen Studien wurde jedoch auch eine niedrigere Dosierung von 400 mg pro Tag als wirksam erachtet.

Bei Lebererkrankungen wie Leberzirrhose oder Hepatitis C werden in der Regel Dosierungen von 1200 bis 1600 mg SAM pro Tag empfohlen.

Zur Linderung von Gelenkschmerzen und Entzündungen wird SAM häufig in einer Dosierung von 1200 mg pro Tag eingesetzt.

Es gibt mehrere klinische Studien, die sich mit den Dosierungen von SAM bei verschiedenen Gesundheitszuständen befassen. Hier sind einige Beispiele:

      • Depression und Angstzustände: Eine randomisierte, placebokontrollierte Dosisfindungsstudie aus dem Jahr 2002 untersuchte die Wirkung von SAM bei der Behandlung von Depressionen und Angstzuständen. In der Studie erhielten die Teilnehmer entweder 800 mg SAM, 1600 mg SAM oder ein Placebo pro Tag. Die Ergebnisse zeigten, dass sowohl die 800-mg- als auch die 1600-mg-Dosis von SAM signifikant wirksamer waren als das Placebo bei der Linderung von Depressionen und Angstzuständen (5).
      • Lebererkrankungen: Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie aus dem Jahr 2010 untersuchte die Wirkung von SAM bei Patienten mit alkoholischer Leberzirrhose. Die Teilnehmer erhielten entweder 1200 mg SAM oder ein Placebo pro Tag. Die Ergebnisse zeigten, dass die SAM-Gruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe signifikant größere Verbesserungen der Leberfunktion und eine signifikante Abnahme der Komplikationen der Leberzirrhose aufwies (6).
      • Gelenkschmerzen und Entzündungen: Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2002 untersuchte die Wirkung von SAM bei Patienten mit osteoarthritischen Gelenkschmerzen. Die Studie umfasste 10 randomisierte, placebokontrollierte Studien, in denen SAM bei einer Dosierung von 600 bis 1200 mg pro Tag eingesetzt wurde. Die Ergebnisse zeigten, dass SAM signifikant wirksamer war als das Placebo bei der Linderung von Gelenkschmerzen und Entzündungen (7).

Übermethylierung durch Nahrungsergänzungsmittel vermeiden

 

Wie bei allen Prozessen in unserem Körper kommt es auch bei der Methylierung auf die richtige Balance an. Weder eine Über- noch eine Untermethylierung tut uns langfristig gut. In der Praxis hat es sich daher bewährt, Nahrungsergänzungsmittel wie SAM bei Bedarf langsam einzuschleichen, die Reaktionen des Körper zu beobachten und evtl. wieder zu pausieren. So lässt sich bei untermethylierten HPUlern eine Übermethlyierung durch Überdosierung vermeiden. Bei der Einnahme von Antidepressiva vom Typ SSRI sollte die Einnahme von SAM mit einem Arzt abgesprochen werden. 

 

Quellen:

  1. Mischoulon, D., & Fava, M. (2002). S-adenosylmethionine and affective disorders. The American Journal of Clinical Nutrition, 76(5), 1172S-1176S.
  2. Rostom, S., et al. (2017). The Effect of S-Adenosylmethionine in Patients with Osteoarthritis of the Knee: An Outcome Study. Journal of Medicinal Food, 20(5), 471-479.
  3. Varela-Rey, M., et al. (2013). S-adenosylmethionine and liver disease. Annals of Hepatology, 12(2), 183-189.
  4. Zhang, Y., et al. (2015). Effects of S-adenosylmethionine on cognitive and motor function in Alzheimer’s disease: a systematic review and meta-analysis. Journal of Clinical Pharmacy and Therapeutics, 40(3), 256-265.
  5. Bell KM, Potkin SG, Carreon D, Plon L. S-adenosylmethionine blood levels in major depression: changes with drug treatment. Acta Neurol Scand Suppl. 1994;154:15-8.
  6. Mato JM, Camara J, Fernandez de Paz J, et al. S-adenosylmethionine in alcoholic liver cirrhosis: a randomized, placebo-controlled, double-blind, multicenter clinical trial. J Hepatol. 2013;58(5): 825-831.
  7. Soeken KL, Lee W-L, Bausell RB, Agelli M, Berman BM. Safety and efficacy of S-adenosylmethionine (SAMe) for osteoarthritis. J Fam Pract. 2002;51(5):425-430.