Manche Nährstoffe stehen ständig im Rampenlicht. Andere leisten Tag für Tag Höchstleistungen und werden trotzdem kaum beachtet. Vitamin B1 (Thiamin) und Vitamin B3 (Niacin) gehören eindeutig in die zweite Kategorie. Dabei sind sie an einem der grundlegendsten Prozesse überhaupt beteiligt: der Energiegewinnung in jeder einzelnen Zelle deines Körpers.
Gerade wenn du von HPU betroffen bist, lohnt sich ein genauerer Blick auf diese beiden Vitamine. In diesem Artikel erfährst du, welche Aufgaben Vitamin B1 und B3 im Körper übernehmen, warum der Bedarf bei HPU zeitweise erhöht sein kann, woran du einen erhöhten Bedarf erkennen kannst und was es mit dem bekannten „Niacin-Flush“ auf sich hat.
Vitamin B1 (Thiamin): Damit aus Nahrung Energie wird
Vitamin B1 ist eng mit dem Kohlenhydratstoffwechsel verknüpft: Es hilft deinem Körper dabei, Kohlenhydrate in nutzbare Energie umzuwandeln. Als Baustein mehrerer Enzyme sitzt Thiamin dabei genau an der Schnittstelle, an der Nahrung in zelluläre Energie überführt wird – ein Prozess, der in Organen mit besonders hohem Energiebedarf wie Gehirn, Nervensystem und Herz ununterbrochen abläuft. Deshalb trägt Thiamin auch zu einer normalen Herzfunktion bei.
Daneben spielt B1 eine wichtige Rolle bei der Signalweiterleitung zwischen den Nervenzellen. Informationen müssen im Körper schnell und zuverlässig ankommen. Dafür braucht es funktionierende Nervenbahnen, und genau hier übernimmt Thiamin eine wichtige Aufgabe. Das erklärt auch, warum sich ein Mangel häufig zuerst über das Nervensystem bemerkbar macht, beispielsweise durch Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit oder das Gefühl, gedanklich „neben der Spur“ zu sein.
Was viele nicht wissen: Der Körper kann Vitamin B1 nur in sehr kleinen Mengen speichern. Gleichzeitig wird es relativ schnell verbraucht, weshalb eine regelmäßige Zufuhr über die Ernährung besonders wichtig ist. Hinzu kommt: Thiamin wird hauptsächlich im Dünndarm aufgenommen. Liegen dort Verdauungsstörungen oder Erkrankungen vor, kann die Aufnahme zusätzlich erschwert sein – selbst dann, wenn über die Ernährung eigentlich genügend Vitamin B1 aufgenommen wird.
Gute Quellen für Vitamin B1 sind unter anderem Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Schweinefleisch, Leber sowie Sonnenblumenkerne.
Vitamin B3 (Niacin): Der Baustein für deine Zellenergie
Vitamin B3 ist Bestandteil der beiden Coenzyme NAD und NADP, zwei Moleküle, die an Hunderten Stoffwechselreaktionen beteiligt sind und für die Energiegewinnung in den Mitochondrien, den Kraftwerken unserer Zellen, unverzichtbar sind. Ohne ausreichend Vitamin B3 läuft diese „Energiefabrik“ nicht mit voller Leistung.
Weil Vitamin B3 an so vielen Stoffwechselprozessen beteiligt ist, überrascht es nicht, dass sich eine gute Versorgung nicht nur auf den Energiehaushalt auswirkt. Auch Nervensystem, Haut und Schleimhäute profitieren davon.
Ein spannendes Detail: Dein Körper kann Niacin nicht nur über die Nahrung aufnehmen, sondern in kleinem Umfang auch selbst aus der Aminosäure Tryptophan herstellen. Allerdings ist dieser Weg wenig ergiebig. Aus 60 mg Tryptophan entsteht gerade einmal 1 mg Niacin. Da Tryptophan gleichzeitig auch als Baustein für die Neurotransmitter Serotonin und Melatonin benötigt wird, kann eine reine Eigenproduktion aus Tryptophan den Bedarf allein kaum decken.
Gute Quellen für Vitamin B3 sind mageres Fleisch, Geflügel, Fisch, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Erdnüsse.
Spannend ist außerdem, warum NAD⁺ – das Coenzym, für das Vitamin B3 den wichtigsten Baustein liefert – aktuell so intensiv erforscht wird. Mit zunehmendem Alter sinken die NAD⁺-Spiegel, was mit einer nachlassenden Energieproduktion der Mitochondrien in Verbindung gebracht wird. Darüber hinaus ist NAD⁺ an wichtigen Prozessen wie der DNA-Reparatur und zellulären Schutzmechanismen beteiligt. Genau deshalb gehört es heute zu den spannendsten Forschungsgebieten rund um Zellgesundheit und gesundes Altern.
Warum lohnt sich bei HPU ein genauerer Blick auf B1 und B3?
Bei HPU ist die Bildung des Häm-Moleküls gestört, was unter anderem die Energiegewinnung in den Mitochondrien und die Entgiftung beeinträchtigen kann. Am bekanntesten ist bei einer HPU der erhöhte Verbrauch von Vitamin B6, Zink und Mangan. Diese Mikronährstoffe gehen bei der Stoffwechselstörung vermehrt verloren.
Vitamin B1 und B3 treten hier selten ins Rampenlicht. Trotzdem lohnt sich der Blick auf sie aus zwei anderen Gründen:
- Erhöhte Stressbelastung. HPU-Betroffene berichten häufig über eine hohe Stressbelastung und Stress erhöht nachweislich den Bedarf an B-Vitaminen, gerade weil B1 und B3 an so vielen energieabhängigen Prozessen beteiligt sind.
- Belastete Energiebereitstellung. Da bei HPU die Energiegewinnung in den Mitochondrien ohnehin besonders gefordert ist, kann eine gute Versorgung mit den Vitaminen, die genau an dieser Stelle ansetzen, sinnvoll unterstützen.
Das bedeutet nicht automatisch, dass bei jedem HPUler ein Mangel vorliegt. Es zeigt aber, dass der individuelle Bedarf zeitweise höher als das sein kann, was über Ernährung oder eine Basisversorgung abgedeckt wird. Ob tatsächlich ein erhöhter Bedarf besteht, lässt sich mithilfe geeigneter Laborwerte beurteilen.
Mögliche Anzeichen für einen erhöhten Bedarf
Folgende Beschwerden können auf einen erhöhten Bedarf an Vitamin B1 und Vitamin B3 hinweisen:
- schnelle körperliche oder mentale Erschöpfung
- Konzentrationsprobleme oder Brain Fog
- erhöhte Stressanfälligkeit
- Reizbarkeit oder innere Unruhe
- das Gefühl, trotz ausreichend Schlaf nicht richtig aufzutanken
Natürlich können diese Beschwerden viele Ursachen haben. Gerade bei HPU lohnt es sich jedoch, auch die Versorgung mit Vitamin B1 und Vitamin B3 im Blick zu behalten.
Niacin-Flush: Was steckt dahinter?
Wer sich intensiver mit Vitamin B3 beschäftigt, stößt früher oder später auf den sogenannten Niacin-Flush: ein plötzliches Wärmegefühl mit Hautrötung, meist im Gesicht, am Hals oder am Oberkörper. Dieser Effekt tritt spezifisch bei der Vitamin-B3-Form Nicotinsäure auf. Sie bindet an spezielle Rezeptoren in der Haut und sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße kurzfristig erweitern. Die Folge sind Wärme, Kribbeln und die typische Rötung. Das kann unangenehm sein, ist jedoch in der Regel harmlos und klingt nach kurzer Zeit wieder ab.
Die Vitamin-B3-Form Nicotinamid (Niacinamid) besitzt dieselbe Vitaminfunktion, verursacht diesen Gefäßeffekt jedoch nicht. Deshalb haben wir uns bei unseren Vitamin-B3-Kapseln aus dem And You Shop bewusst für Nicotinamid entschieden. Für eine gute Verträglichkeit, ohne den unangenehmen Flush.
Einzeln supplementieren oder lieber im B-Komplex?
Vielleicht kennst du bereits unseren Artikel über den B-Komplex . Dort haben wir die B-Vitamine mit einem Orchester verglichen und an diesem Bild hat sich nichts geändert.
Ein B-Komplex bleibt aus unserer Sicht die wichtigste Grundlage, denn die einzelnen B-Vitamine arbeiten eng zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Erst ihr Zusammenspiel sorgt dafür, dass zahlreiche Stoffwechselprozesse reibungslos ablaufen können.
Es gibt jedoch Situationen, in denen einzelne „Musiker“ besonders gefordert sind. Dann kann es sinnvoll sein, zusätzlich gezielt Vitamin B1 oder Vitamin B3 einzusetzen, ohne auf den B-Komplex zu verzichten.
Oder anders gesagt: Das Orchester spielt weiterhin gemeinsam, manchmal brauchen einzelne Instrumente einfach etwas mehr Verstärkung.
FAQ – Häufige Fragen zu Vitamin B1 und B3
Wie äußert sich ein Vitamin-B1-Mangel? Typische Anzeichen können Müdigkeit trotz ausreichend Schlaf, Konzentrationsprobleme oder Reizbarkeit sein. Da der Körper Vitamin B1 nur begrenzt speichern kann, macht sich eine unzureichende Versorgung häufig vergleichsweise schnell bemerkbar.
Kann man Vitamin B3 überdosieren? Über die Ernährung ist das praktisch nicht möglich. Hoch dosierte Präparate mit Nicotinsäure können jedoch einen Flush oder Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Nicotinamid gilt in der Regel als besser verträglich. Bei einer langfristigen Einnahme höherer Dosierungen empfiehlt sich eine regelmäßige Blutkontrolle.
Kann man Vitamin B1 und B3 zusammen einnehmen? Ja. Beide Vitamine greifen an unterschiedlichen Stellen der Energiegewinnung ineinander und können problemlos gemeinsam eingenommen werden.
Kann ich Vitamin B1 und Vitamin B3 dauerhaft einnehmen? Grundsätzlich können beide Vitamine bei einer bedarfsgerechten Dosierung auch über einen längeren Zeitraum ergänzt werden. Ob eine dauerhafte Einnahme sinnvoll ist, hängt von deiner individuellen Versorgungssituation ab und lässt sich am besten anhand geeigneter Laborwerte beurteilen – im Zweifel in Abstimmung mit ärztlicher oder therapeutischer Begleitung.
Was ist der Unterschied zwischen Vitamin B1 und Vitamin B3? Vitamin B1 unterstützt vor allem die Umwandlung von Kohlenhydraten in Energie und spielt eine wichtige Rolle für die Signalweiterleitung im Nervensystem. Vitamin B3 ist als Bestandteil von NAD und NADP an Hunderten Stoffwechselreaktionen beteiligt und unterstützt dadurch unter anderem die Energiegewinnung in den Mitochondrien.
Welche Rolle spielen die beiden B3-Formen Nicotinsäure und Nicotinamid? Beide Formen erfüllen dieselbe Vitaminfunktion. Nicotinsäure kann zusätzlich den bekannten Flush auslösen, während Nicotinamid diesen Effekt nicht verursacht und deshalb häufig besser verträglich ist.
Warum lohnt sich der Blick auf B3 gerade bei HPU? Menschen mit HPU berichten häufig über eine erhöhte Stressbelastung. Gleichzeitig ist die Energiebereitstellung im Körper oft besonders gefordert. Da Vitamin B3 genau an diesen Prozessen beteiligt ist, kann eine gute Versorgung sinnvoll sein.
Das Wichtigste in Kürze:
Vitamin B1 und Vitamin B3 gehören zu den Nährstoffen, die selten im Mittelpunkt stehen und dennoch jeden Tag Großes leisten. Beide sind unverzichtbar für die Energiegewinnung in unseren Zellen und übernehmen darüber hinaus wichtige Aufgaben für Nervensystem, Herz, Haut und Schleimhäute.
Gerade bei HPU kann es sinnvoll sein, die Versorgung mit diesen beiden Vitaminen im Blick zu behalten, insbesondere in Zeiten erhöhter Belastung oder wenn Laborwerte auf einen erhöhten Bedarf hinweisen.
Ein B-Komplex bleibt dabei aus unserer Sicht die wichtigste Grundlage, weil die B-Vitamine wie ein gut eingespieltes Orchester zusammenarbeiten. Einzelpräparate wie Vitamin B1 oder Vitamin B3 verstehen wir deshalb nicht als Ersatz, sondern als gezielte Ergänzung, wenn einzelne „Instrumente“ zeitweise etwas mehr Verstärkung brauchen.
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Weiterführende Literatur zu diesem Thema
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- EFSA – Scientific Opinion zu Vitamin B1 (Thiamin), EFSA Journal 2009;7(9):1222: https://doi.org/10.2903/j.efsa.2009.1222
- EFSA – Scientific Opinion zu Vitamin B3 (Niacin), EFSA Journal 2009;7(9):1224: https://doi.org/10.2903/j.efsa.2009.1224
- NIH Office of Dietary Supplements – Thiamin Fact Sheet: https://ods.od.nih.gov/factsheets/Thiamin-HealthProfessional/
- NIH Office of Dietary Supplements – Niacin Fact Sheet: https://ods.od.nih.gov/factsheets/Niacin-HealthProfessional/
- DGE – Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/
- gesundheit.gv.at – Niacin: Bedarf, Quellen und Mangel: https://www.gesundheit.gv.at/leben/ernaehrung/vitamine-mineralstoffe/wasserloesliche-vitamine/niacin.html
- Verbraucherzentrale – Niacin: warum ergänzen?: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/niacin-warum-ergaenzen-13833
- Rajman, Chwalek, Sinclair (2018) – Therapeutic Potential of NAD-Boosting Molecules, Cell Metabolism: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6342515/
