„Die Geschichte sollte sich nicht wiederholen.“ Dieser Gedanke hat Katrin (Name geändert) an ihrem tiefsten Punkt Halt gegeben.
Ihr Vater litt jahrelang unter depressiven Verstimmungen und nahm sich das Leben, als sie 15 war. Jahrzehnte später ging es ihr selbst so, bis sie auf HPU stieß. Ihr Erfahrungsbericht über HPU und depressive Verstimmungen zeigt, wie viel sich ändern kann, wenn ein möglicher Mikronährstoffmangel erkannt wird.
Vor kurzem habe ich in meinem Newsletter gefragt, wer seine HPU-Geschichte mit anderen teilen möchte. Katrin hat mir daraufhin diese Zeilen geschrieben. Ich gebe ihre Worte genau so wieder, wie sie sie aufgeschrieben hat.
Danke dir, Katrin, für deinen Mut und dein Vertrauen.

Katrins Vater als junger Mann
„Ihr verpennt nochmal den Fall der Berliner Mauer!“, sagte mein Papa gern zu uns Kindern, wenn wir sonntags so richtig ausschliefen. Einmal fügte er traurig hinzu: „Ihr werdet es vielleicht noch erleben, ich aber nicht mehr.“ Mein Vater verstarb 1987 mit 45 Jahren an einer Überdosis Antidepressiva aufgrund jahrelanger depressiver Verstimmungen.
Ich war damals 15. Es war ein Schock für mich, traumatisch. Als typisches DDR-Kind riss ich mich aber schnell zusammen, ließ den Schmerz kaum zu und reihte mich wieder bei meinen Kameraden ein. Jahre später, mit Mitte 30, landete ich dann aber doch beim Psychoanalytiker, es häuften sich inzwischen auch bei mir die depressiven Verstimmungen.
Ich schaffte mein Leben danach ganz gut. Gründete eine Familie, baute ein Haus. Je älter ich wurde, desto mehr schwanden aber meine Kräfte, kamen Allergien hinzu, Migräne-Attacken, Schlafstörungen, Ängste. Der Prosecco, der mich stets locker machte und mir oft half, meine Schüchternheit zu überwinden, bekam mir nicht mehr. Gleichzeitig fing ich an, ein Buch über die Geschichte meines Vaters zu schreiben. Ich recherchierte in seinen Aufzeichnungen und sprach viel mit meiner Mutter.

Seine Aufzeichnungen halfen Katrin, ihn besser zu verstehen
Am Tiefpunkt
Mit Anfang 50 kam ich in die totale Überforderung. Ich hatte das Gefühl, das Leben mit seinen Herausforderungen nicht mehr zu schaffen. Ich war erschöpft und verzweifelt. Schrieb Abschiedsbriefe, stellte mich ans Bahngleis. Was mich zurückhielt, war einzig und allein mein Sohn. Ich wollte ihm nicht antun, was mir widerfahren war. Die Geschichte sollte sich nicht wiederholen. Er war gerade in demselben Alter wie ich damals.
Der Wendepunkt: Die Diagnose HPU
Also riss ich mich mal wieder zusammen und machte irgendwie weiter, krauchte durchs Leben. Zum Glück brachte mich einige Monate danach eine Freundin auf HPU und auf Sonja. Ich sog alles darüber auf wie ein trockener Schwamm und war mir sicher: Das ist es! Es gestaltete sich unheimlich schwierig, meinen Mann zu überzeugen. Es kostete alles enorm viel Kraft, gleichzeitig bekam ich aber Energie, indem ich erst mal den Kaffee wegließ. Der positive Test war für mich ein wahrer Grund zur Freude. Ich fühlte mich plötzlich verstanden, voller Hoffnung und sah wieder Licht am Ende des Tunnels.
Beim Schreiben über das Leben meines Vaters wurde mir immer klarer, dass seine depressiven Verstimmungen nicht einfach so da gewesen sein konnten. Sie mussten eine Ursache haben. Im Krieg geboren, hatte er Hunger erlebt, arbeitete später oft ungeschützt mit Insektiziden/Herbiziden, bekam im Laufe der Jahre Nierenprobleme, heftiges Kopfweh, war nervlich kaum noch belastbar, vergaß viel. Sagte oft zu sich selbst „Ich Dussel!“, traute sich immer weniger zu, hielt sich zeitweise für verrückt. Um über den Tag zu kommen, trank er viel Kaffee, ernährte sich schlecht, rauchte, trank Alkohol an den Wochenenden. Es ging ihm immer mieser, die Suizidversuche häuften sich. Bis zu dem Tag, an dem wir ihn nicht rechtzeitig finden und retten konnten.
Ist HPU vererbbar?

Ein Mann, der das Leben liebte
Das Fatale ist: Mein Vater liebte aber das Leben. Er war ein großer, kräftiger Kerl, ein richtiger Haudegen. Mit ihm konnte man Pferde stehlen und Spaß haben. Je mehr ich über ihn schrieb und parallel mit meiner HPU-Therapie begann und es mir nach und nach besser ging, wurde mir klar, dass seine ganzen Symptome vielleicht die Folge eines Mikronährstoffmangels gewesen sein könnten. Hatte ich es von ihm geerbt? Hatte er HPU? Hatte es mein Sohn auch? Ich ließ ihn testen und Bingo! – der Test war auch bei meinem Sohn positiv. Es wurde also weitergegeben.
Wie es Katrin heute geht
Mit dem Wissen von heute und nach einem Jahr HPU- und Hormonersatz-Therapie befinde ich mich in einem sehr guten Zustand (keine Gedanken mehr an Bahngleise!). Mein Mann ist inzwischen auch überzeugt :-) Meinem geliebten Paps kann ich leider nicht mehr helfen. Ich kann nur sagen, dass nicht jeder Mensch, der sich depressiv fühlt, auf die rote Couch muss. Vielleicht braucht es einfach erst mal einen HPU- und/oder Mikronährstofftest?
Danke fürs Lesen und danke an Sonja und an alle HPUler, die ihre Geschichte hier teilen. So wertvoll!
Eure Katrin
Katrins Vater hat nie erfahren, ob hinter seinen Beschwerden mehr steckte. Katrin schon. Sie hat nicht aufgehört, nach dem Warum zu fragen. Und deshalb weiß heute auch ihr Sohn Bescheid.
Vielleicht erkennst du dich in ihrer Geschichte wieder. In der Erschöpfung. In den Ängsten. In dem Gefühl, einfach nicht mehr zu können.
Dann nimm das ernst und finde heraus, ob HPU auch bei dir eine Rolle spielen könnte. Denn je früher du Bescheid weißt, desto besser kannst du deine nächsten Schritte planen.
Teile deine Geschichte
Hast du selbst eine Geschichte, die anderen Mut macht? Dann schreib mir gerne an info@hpuandyou.de. Du brauchst dafür keine perfekte Erfolgsgeschichte, auch kleine Schritte zählen. Gerade sie geben anderen HPUlern Hoffnung.
Ein HPU-Test ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Wenn es dir gerade nicht gut geht: Die Telefon Seelsorge erreichst du rund um die Uhr kostenlos unter 0800 111 0 111.
